Leica feuert Steven K. Lee

Nach nur etwas über einem Jahr hat Leica am vergangenen Samstag den bisherigen CEO Steven K. Lee aus seiner Verantwortung entlassen. Über die Hintergründe ist bisher nur wenig bekannt. Seine Nachfolge tritt Dr. Andreas Kaufmann, Geschäftsführer des Salzburger Leica-Mehrheitseigentümers ACM Projektentwicklung, der aktuell 96,5 der Leica-Anteile hält, an. Seine Amtszeit hat der Leica-Aufsichtsrat bis zum 28. Februar 2009 befristet. Strategische Änderungen will Kaufmann eigenen Angaben zufolge zunächst nicht vornehmen.
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Dr. Andreas Kaufmann
Vorstandsvorsitzender Leica Camera AG

Mit großen Worten kündigte Leica im Herbst 2006 den neuen Vorstandsvorsitzenden Steven K. Lee (52) an. Der ehemalige Produktmanager der amerikanischen Handelskette Best-Buy war angetreten, mit einem strengen Kostensenkungsprogramm, neuen Allianzen mit anderen Kameraherstellern und neuartigen Produkten für den Massenmarkt den damals angeschlagenen Kamerahersteller Leica wieder auf Kurs zu bringen.

Nun passt sein hemdsärmeliger amerikanischer Führungsstil offenbar nicht sonderlich gut in das traditionelle Solmser Leica-Werk. Ob die Gründe seiner Abwahl mit Differenzen in der Produktstrategie, mit zwischenmenschlich-kulturellen Problemen zu Mitarbeitern und Eignern oder mit der Planung, Leica wieder von der Börse zu nehmen zusammenhängen, ist derzeit reine Spekulation. Gesicherte Informationen liegen dazu nicht vor. In der Pressemitteilung hält sich Leica bedeckt: "Der Aufsichtsrat dankt Herrn Lee für seine Arbeit und wünscht ihm für die weitere Zukunft alles Gute."

Vom größten Leica-Fachhändler Leica bei Meister, der sich auf Druck von Leica in Meister Camera umbenennen musste, gibt sich in einer Sonderausgabe seines Newsletters erfreut über diese Entscheidung: "Über diese Entlassung können wir uns auf jeden Fall freuen. Steven Lee vertrat eine Visison eines Geschäftsmodelles, welches die traditionell guten Beziehungen zu Händlern, Zulieferern und -als wichtigsten Teil- Ihnen als Leica-Kunden empfindlich gestört hätte." Und auch in den einschlägigen Internetforen wird Lees Entlassung weithin positiv aufgenommen.

Dabei hat Steven K. Lee durchaus Erfolge vorzuweisen. Zwar kann ihm der Einstieg in das digitale Messsucherkamerageschäft mit der M8 nicht zugerechnet werden, weil diese zu seinem Einstieg bereits Marktreife erreicht hatte. Dennoch betrieb er eine erfolgreiche Schadensbegrenzung und verstand es, nach außen hin für die Marke Leica und ihren Qualitätsanspruch zu werben. Noch wichtiger: Er führte das Unternehmen zum Jahr 2007 wieder in die schwarzen Zahlen und sicherte durch seinen harten Sparkurs die weitere Existenz der Firma.

Ob das Ausscheiden Lees nun positiv oder negativ zu bewerten ist, bleibt in der Einschätzung des Betrachters. Die Händler freut es, die Mitarbeiter auch. An der Börse lässt sich durch den nahezu abgeschlossenen "Squeeze Out" nichts ablesen, aber in jedem Fall ist mit Kaufmann nun der Eigentümer selbst in der Leitungsverantwortung. Was der Wechsel für den Kunden bedeutet, bleibt abzuwarten. Auf die für die Photokina im Herbst geplanten Neuvorstellungen, soweit es welche geben wird, kann der Führungswechsel durch die Kürze der verbleibenden Zeit jedenfalls keine Auswirkung haben.